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Fächerblick #3

"Marie, red' keinen Scheiß!"

"Ich weiß doch auch nicht ey, aber was wenn?!"

"Du nimmst doch die Pille, oder nicht?"

"Ja..."

"Na also, never ever bist du schwanger, hör mal auf dir so 'nen Film zu schieben! Ich ruf' dich später noch mal an und du erzählst mir, wie unfassbar dumm du dir vorgekommen bist beim In-einen-Becher-Pinkeln, okay? "

"Okay."

"Siehst du. Hab' dich lieb, du paranoides Kätzchen!"

Und damit hatte Ella aufgelegt. Marie blinzelte, die tief stehende Sonne schien ihr natürlich genau in die Augen. Nach der Hallenbad-Atmosphäre der Bib fühlte sie sich sowieso immer wie ein sehschwacher Maulwurf, aber sie hatte das Gefühl, diese Straße mache es noch schlimmer. Ständig die Sonne im Gesicht und gerade heute wirklich anderes im Kopf. Ella hatte schon Recht, natürlich hatte sie Recht, sie war Maries Zen-Guru, nur nicht so bärtig und faltig. Aber trotzdem, da war diese kleine Stimmt in ihrem Hinterkopf, die ihr keine Ruhe ließ. Was, wenn alle Gesetze der Wahrscheinlichkeit sich einfach aus Spaß gegen sie kehrten und fingerzeigend lachten, weil sie aus einer versoffenen Nacht im Gotec nicht nur den Kater, sondern ein Baby mitbrachte? Was, wenn Löcher in Kondomen und Pillenkinder gerade für sie vom Statistikausreißer zur Realität werden würden?

Sie stellte sich vor, wie sie kugelrund in der Bibliothek über ihren Büchern sitzen und eine Bachelorarbeit schreiben würde, die ihr auch nicht helfen könnte, ein Baby zu ernähren. Oh Gott. Oh Gott, oh Buddha, oh Zeus, Allah, Superman... Ihr fiel ein leerer Kaffeebecher vor die Füße. Wie sie es hasste, wenn Menschen es nicht einmal schafften, ihren Abfall in den Eimer statt darauf zu packen. Aber sie hatte jetzt auch keine Zeit, hinter anderen her zu räumen. Sie huschte in eine Drogerie, wo zum Geier bewahrte man hier eigentlich die Schwangerschatfstests auf? Interessanterweise gar nicht bei den Gummis und dem Gleitgel. Machte aber auch Sinn, irgendwie. Nicht die erotischste Vorstellung. Sie schnappte sich die längliche Packung und ließ die viel zu interessierten Blicke der Kassiererin über sich ergehen. Mit der Sonne im Rücken lief sie nach Hause, und der Klotz in ihrem Magen wurde dabei nicht kleiner. Mit einem Stoßgebet an all ihre Gottheiten stieß sie die Tür auf und schnappte sich einen Plastikbecher. Sie würde gleich Ella anrufen müssen.

Draußen spiegelte sich die Abendsonne auf ihrem Fenster.

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Katharina